Vortrag

„Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt von transgender – und genderdiversen Personen“

Dr. Mick van Trotsenburg

Das Recht auf Fortpflanzung gehört zu den universell gültigen Menschenrechten. Jahrzehnte verblieb dieses Menschenrecht Transgenderpersonen verwehrt. Die “dauerhafte Unfruchtbarmachung” war eine gesetzliche Voraussetzung für den Antrag auf Personenstandsänderung.  Der Europäische Gerichtshof für die Menschenrechte in Straßburg hat diese in  allen europäischen Ländern lange Zeit gängige Praxis als menschenrechtswidrig aufgehoben. Seit 2009 ist auch in Österreich nach einer Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs diese Praxis aufgehoben und ermöglicht  Personen eine Personenstandsänderung ohne Operationen.

Der Wunsch nach (biologischen) Kindern von Transgender-Personen unterscheidet sich praktisch nicht von Cisgender-Personen, aber  dieser Wunsch steht oft im Widerspruch zum Wunsch nach ‚gender-affirmativen‘ Behandlungen. Nach einer Gonadektomie ist eine Person grundsätzlich nicht mehr in der Lage, sich biologisch fortzupflanzen, es sei denn, reproduktives Material wurde zur späteren Verwendung im Rahmen einer assistierten Fertilisierung (ART) kryokonserviert.

In der letzten Dekade haben Transgender-Personen immer stärker auf das unveräußerliche Recht auf Fortpflanzung hingewiesen und in den Leitlinien der Transgendermedizin wurde verankert, daß VOR jedweder Behandlung im Rahmen einer ‚transition‘ – ob hormonell oder chirurgisch - die Effekte auf die Fortpflanzungsfähigkeit in einem  Informationsgespräch mit der betroffene Person ( und im Falle von Minderjährigkeit auch mit den Eltern) ausführlich besprochen und alle Optionen dargelegt werden müssen.

Dieser Vortrag beschäftigt sich einerseits mit den Problemen und Barrieren, die eine Transgender-Person bewältigen und überwinden muss, um ihren Kinderwunsch erfüllen zu können, und andererseits mit der Schwangerschaft, Entbindung und postpartum-Periode eines Transmannes . Wie schaut eine  Schwangerschaftsbetreuung aus und was ist anders ? Was muß bei der Geburt und in der Nachbetreuung berücksichtigt werden? Was müssen Hebamme oder Geburtshelfer_in wissen, um eine Trans-oder genderdiverse Person adäquat betreuen zu können ?

Tag 2

Mi 21.4.2021 | 13:00 - 14:00 Uhr

Dr. Mick van Trotsenburg

Mick van Trotsenburg, geboren in den Niederlanden, studierte Theaterwissenschaften und Humanmedizin an der Universität Wien. Als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe   arbeitete er einige Jahre an verschiedenen österreichischen Krankenhäusern und spezialisierte sich in  gynäkologische Endokrinologie. 1999  gründete er die erste österreichische  Ambulanz für Transgendermedizin am AKH Wien. 2005 folgte er dem Ruf der Freien Universität Amsterdam, als Leiter des (internationalen) Zentrums für Genderdysphorie  die Nachfolge von Prof. Louis Goren anzutreten. Nach fast 15 Jahren zurück in Österreich, engagiert er sich im Rahmen  seiner Initiative ‚genderPRO‘  national und international für eine professionelle Transgender Medizin von  Transgenderpersonen und Ausbildung in diesem Bereich. Daneben arbeitet weiterhin  als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Mick van Trotsenburg ist aktuell board member der Niederländischen Menopause Gesellschaft (DMS), der Europäischen Gesellschaft für Menopause und Andropause (EMAS), ständiges Mitglied im Richtlinienkommittee der World Professional Association for Transgender Health (WPATH) und Mitglied im advisory board der Niederländischen Stiftung Transvisie - Centre for Gender Diversity.